United Internet kauft freenet DSL Geschäft
Bereits im August und Oktober letzten Jahres haben wir auf das schwächelnde Geschäftsmodell der freenet AG aufmerksam gemacht sowie auf die Vernichtung des Shareholder Value durch die Abwehr von Konsolidierungsbestrebungen, initiiert unter anderem durch United Internet und Telefónica. Nachdem Ex-freenet-CEO Spoerr nun seit Dezember letzten Jahres von Bord ist, versucht man nun scheinbar zu retten, was noch zu retten ist. So meldeten die News-Ticker heute Morgen, dass zwischen der United Internet-Tochter 1&1 und der freenet AG ein Vertrag über den Kauf des freenet DSL-Geschäfts sowie eine Vereinbarung über die mittelfristige Zusammenarbeit im Vertrieb von DSL-Produkten geschlossen wurde. Der Kauf erfolgt durch den Erwerb aller Geschäftsanteile an der freenet Breitband GmbH.
Die 1&1 Internet AG kauft im Zuge des Erwerbs alle freenet DSL- und freenet Komplett-Verträge. Kunden, die von verbundenen Unternehmen bzw. von Wholesale-Partnern der Freenet betreut werden, verbleiben bei freenet. Laut Pressemitteilungen beläuft sicher der Kaufpreis auf ca. EUR 123 Millionen, der zu ca. EUR 70 Millionen in bar sowie mit 4.583.500 United Internet Aktien aus eigenem Bestand bezahlt wird. Der Kaufpreis, der zum überwiegenden Teil nach Abschluss der Kundenmigration fällig wird, basiert auf einer Bewertung des Kundenbestands und ist damit abhängig von der zum Migrationsabschluss gelieferten Anzahl von Kundenverträgen. Ziel sei es, die Kundenverträge bis zum Jahresende 2009 technisch zu migrieren. Es wird geschätzt, dass zum Zeitpunkt der Migration ca. 700.000 DSL-Verträge an 1&1 übergehen werden. Zudem wurde im Rahmen einer Vertriebsvereinbarung, die mindestens bis 2014 läuft, eine Prämie für weitere Vertragsabschlüsse beschlossen von bis zu insgesamt 6.551.000 United-Internet-Aktien.
Da erwartet wird, dass sich bis zum Zeitpunkt der technischen Übergabe rund 700.000 DSL-Verträge migrieren lassen, ist der Preis von rund 175 € pro Kunde doch sehr beachtlich, den United Internet damit für jeden freenet DSL-Kunden auf den Tisch legt. Zudem ist bisher ungeklärt, welche Strategie das verbleibende Geschäft der freenet AG verfolgen wird. Wir gehen jedoch davon aus, dass es sich um eine „Zerschlagungsstrategie“ handelt und auch die verbleibenden Teile mittelfristig anderen Unternehmen zum Kauf angeboten werden.
Kommentar von Jens Meyer, 26. Mai 2009

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