Freenet im freien Fall
Bezug nehmend auf unseren Kommentar vom 10. August 2008 zum Thema „Halbjahresergebnisse von United Internet und Freenet“, in dem wir bereits ausführlich auf die sich andeutende Krise der Freenet AG hingewiesen haben, schlägt das aus unserer Sicht unterlegene Geschäftsmodell nun voll durch und spiegelt sich zunehmend im Aktienkurs des Unternehmens wider. Der Wert der Freenet AG reduziert sich um weitere 60%. Dies ist auch vor dem Hintergrund der durch die Finanzkrise gebeutelten Kapitalmärkte eine katastrophale Entwicklung.
Bereits im August hatten wir ausführlich darauf hingewiesen, dass zum einen die sich reduzierenden Margen im Service Provider Bereich dem Unternehmen zu schaffen machen. Dies auch trotz einer relativ beeindruckenden Kundenbasis von inzwischen über 6 Mio. Mobilfunkkunden nach der Debitel-Übernahme. Zum anderen laufen Freenet im zweiten Standbein DSL die Kunden davon, attraktive Einkaufskonditionen bei den Infrastruktur Providern lassen sich damit immer weniger durchsetzen.
Zusätzlich treffen die Freenet AG nun zwei weitere negative Einflussfaktoren. Die im August noch im Kurs beinhaltete Übernahmephantasie ist aufgrund der Finanzkrise dahin. Denn für eine kreditfinanzierte Übernahme ist es sicherlich zur Zeit nahezu unmöglich, eine unterstützende Bank zu finden. Zum anderen kommt das Unternehmen auch innenpolitisch nicht zur Ruhe. Nach diversen Auseinandersetzungen mit seinen Großaktionären Drillisch und United Internet im Frühjahr ist nun ein interner Machtkampf zwischen Spoerr und Debitel CEO Oliver Steil ausgebrochen. Ob die interne Schlammschlacht ein Kompetenzgerangel oder ein Aktienwertsteigerungsprogramm, wie in der Presse vermutet, zum Auslöser hat, ist nicht klar, aber auch zweitrangig. Denn die Wirkung auf den Aktienkurs ist nicht ausgeblieben.
So verliert die Freenet Aktie seit unserem letzten Kommentar weitere 60% und stellt damit die durch die allgemeine Finanzkrise fallenden Kurse und Indizes in den Schatten. Denn der relevante Vergleichsindex TecDax büßt gerade einmal die Hälfte ein.
Kommentar von
Jens Meyer
, 08. Oktober 2008

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