Aktuelle Halbjahresergebnisse von United Internet und Freenet
In den vergangenen Tagen haben mit United Internet und Freenet zwei der wichtigsten Spieler im deutschen DSL und Mobile Service Provider Markt ihre Halbjahresergebnisse veröffentlicht. Auf den ersten Blick konnten beide Unternehmen dabei nicht überzeugen und verfehlten ihre Ergebnisprognosen – teilweise deutlich. Die Reaktion der Börse folgte postwendend. Dennoch zeigt sich, dass eine differenzierte Analyse der Ergebnisse angebracht ist.
United Internet hat die gesetzten Ziele und damit den von Analysten erwartete Gewinn von 50 Mio. EUR um ca. 10% verfehlt. Dies lag aber keineswegs am operativen Kerngeschäft, sondern vielmehr an den schwächelnden Beteiligungen der United Internet. Auf operativer Ebene lag das Unternehmen im Zielkorridor. Als Wachstumstreiber überzeugte hier vor allem das margenstarke Hosting-Geschäft, das insbesondere auf internationaler Ebene vorangetrieben wird. Aber auch im DSL-Kerngeschäft kann United Internet nach wie vor Wachstum verzeichnen und ist hier mit inzwischen 2,8 Mio. Kunden in der Lage, seine Nachfragemacht bei den Infrastrukturanbietern wie QSC und Telefónica in attraktive Einkaufskonditionen umzumünzen. Das verfehlte Ergebnis wurde also hauptsächlich durch die Beteiligungen an den Telekommunikationsanbietern Freenet, Versatel und Drillisch insb. durch höhere Zinszahlungen sowie ein negatives Ergebnis der Beteiligungen hervorgerufen.
Freenet hingegen verzeichnete bei Umsatz und Ergebnis deutliche Rückgänge, auf EBIT-Ebene sogar um 63%. Damit wurden die erwarteten Prognosen deutlich verfehlt. Hier zeigen sich nun nach und nach die Limitationen des Geschäftsmodells. Zwar verfügt Freenet nun im Service Provider Bereich nach der Übernahme der Debitesl Group über einen signifikanten Kundenstamm von über 6 Mio. Mobilfunkkunden, jedoch wird das Resale-Modell seit geraumer Zeit mit überdurchschnittlich sinkenden Margen konfrontiert. Das zweite Standbein DSL verzeichnet aktuell sogar einen rückläufigen Kundenstamm mit der Freenet nicht in der Lage ist, attraktive Einkaufskonditionen durchzusetzen.
Diese Tatsachen spiegeln sich auch seit einiger Zeit in den Aktienkursen der beiden Wettbewerber wieder. Während in einem insgesamt schwachen Marktumfeld die United Internet Aktie in den letzten 12 Monaten rund 20% nachgegeben hat, gibt der Einbruch der Freenet-Aktie um knapp 40% ein sehr viel schlechteres Bild ab.
Zwar gilt Freenet sowohl aus Service Provider als auch aus DSL-Sicht nach wie vor als attraktiver Übernahme-Kandidat im sich konsolidierenden Telekommunikationsmarkt. Dennoch sollte Herr Spörr nicht warten, bis aufgrund weiter sinkender Ergebnisse der Wert seiner Aktie weiter abrutscht. Denn eines ist sicher: Freenet verfügt langfristig über keine überzeugende Strategie, sich alleinstehend am Markt halten geschweige denn durchsetzen zu können.
Kommentar von
Jens Meyer
, 10. August 2008
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